2007-09-27
Barbie's Frust
Demetria Guynes aka Demi Moore soll sich kürzlich darüber aufgeregt haben, trotz ihrer horrenden und zweifellos gelungenen Investitionen in ihr äusseres Erscheinungsbild, hollywoodseitig keine attraktiven Rollen mehr angeboten zu bekommen. Frustimquadrat, was läuft hier falsch?
Nun, jeder weiss, wie alt Frau Moore ist, Internet sei Dank. Das Alter verschleiern wie weiland die (Stumm-)Filmdiven, geht nicht mehr. Bei Popstars mögen Anti-Ageing-Bemühungen durchgehen, weil die Verkaufszahlen über die Akustik geregelt werden, doch bei Akteuren und Aktrizen ist halt die Optik entscheidend. Fragt sich nur, wie.
Wer eine Rolle für eine 45-jährige schreibt, will auf der Leinwand eine 45-jährige sehen und nicht eine, die aussieht wie die Tochter. Wer umgekehrt eine 25-jährige im Skript hat, nimmt die Tochter und nicht die Mutter. Demi Moore's Investitionen haben eine Chimäre hervorgebracht. Und für diese gibt’s halt wenig Rollen und wenn, dann grottenschlechte (erinnern wir uns *brrr* an Sharon Stone's peinlichen Sequel Basic Instinct 2, der den Oskar für den besten Schönheitschirurgen, die beste Maske und die beste digitale Nachbearbeitung hätte erhalten müssen).
Zugegeben, das Rollenangebot für "reifere Damen" ist nicht grad berauschend. Ein paarmal die Mutti hier, ein paarmal die Chefin dort, einige Hausfrauenrollen und Wechseljahrwitzfiguren. Doch auch das andere Geschlecht hat es nicht leicht. Hollywood wird regiert von überfälligen Herren, die ihre Alter-Egos in Actionfilme packen, wo sie den Held markieren dürfen, und auf Blondinen im Tochteralter den Hengst. Das ist deren Art von Anti-Ageing und genauso lächerlich und würdelos wie das Faltenzurechtzurren und Nacktherumspazieren ihrer Ex-Gattinnen. Der einzige Unterschied ist, dass man mit alten Männern, die den kernigen Macker geben, Kasse machen kann, und mit reifen Frauen, die einen auf Barbie-Girlie machen, nicht. Ultrafeministinnen mögen das als ungerecht erachten. Frau Moore ist aber keine Ultrafeministin, und jeder, der ins Kino geht, Herr seiner eigenen Blödheit.
Und es GIBT gute Rollen für Frauen jenseits der 40! Susan Sarandon bekommt sie. Hellen Mirren, Meryl Streep und Judy Dench auch. Glen Close bekam sie, bevor sie anfing, sich schönheitsoperieren zu lassen, Jodie Foster wird sie bekommen, wenn sie aufhört, den kernigen Macker zu mimen. Cate Blanchett wird sie bekommen. Eva Longoria nicht. Nicole Kidman vermutlich auch nicht. Und Demi More ganz bestimmt nicht, den ihr kauft man sie schlicht nicht mehr ab. Too much Barbie, Girlie. Sorry.
2007-09-23
Mein Türke
Kurz unterbreche ich mein selbstauferlegtes "Schreige (=Schreibe+Schweige)"-Gelübte, um ein Lied anzustimmen (keine Angst, ich singe schlecht und somit nicht, lassen Sie den Lautsprecher also ruhig an): Ein Hohelied auf meinen Türken.
Mein Türke steht gestern mitten in seinem Laden - es ist halb Zehn, präziser: Einundzwanziguhrdreissig - macht ein unglückliches Gesicht und fragt seinen Bruder/Vetter/Neffen/Schwippschwager, der irgendwas herumkramt "Sag, gibt es Auto, wo fahrt ohne Benzin?" Der Angesprochene brummt etwas. Mein Türke wiederholt "Gibt es Auto, wo fahrt ohne Benzin?" Die Frau/Nichte/Tochter/Cousine/ Schwägerin des Türken stellt den Wischbesen, mit dem sie durch den verwinkelten Laden, der zugleich Trafik (so etwas wie unser Kiosk), Schnellimbiss, Ticketbude, Kaffeehaus und Orientdeli ist, gekurvt ist, ab. Stützt sich darauf und sagt "Hast du Hunger. Soll ich dir was zu essen machen." Feststellungen, keine Fragen. Mein Türke strahlt erleichtert.
Mein Türke ist mein Rettungsanker. Wenn ich irgendwann irgendetwas brauche (und das ist recht häufig der Fall) - mein Türke hat es. Milch, Kaffee, Haarshampoo, Kerzen, Knabbereien, Schnürsenkel, Eier, Brot und Extrawurstsemmeln, Damenbinden, Fahrkarten, Parkscheine, Zeitungen, Rauchwaren aller Art (die ich nicht mehr brauche, da seit 7 Jahren clean), Wasser, Limo, Bier-Wein-Schnapps, Dosenprosecco gar, den ich mir gestern denn auch gönnte, in stillem Glück über meinen Türken, dessen winziges Verkaufsuniversum nur ein kurzes Stück die Strasse hoch gelegen ist, und alles beherbergt, was ich mir des Tags oder des Nachts zu brauchen jemals einfallen lassen könnte. Mein Türke veräussert es mit stoischer Mine und professioneller Wortkargheit, die man ihm schwerlich als Unfreundlichkeit auslegen kann, brummt irgendwelche Anweisungen nach hinten zu seiner zumeist unsichtbaren Sippschaft und zu mir "Dreieurofünfzigbitte."
Mein Türke hat alles. Vor allem hat er eins: immer offen. Wenn die hiesigen Gewerbler um Fünf ihre Buden schliessen, die sie erst um Neun aufgemacht haben (unter Einschluss einer zweistündigen Mittagspause) und an Sonn- und Feiertagen gar nicht erst dran denken, einen Fuss in ihren Laden zu setzen - mein Türke steht drin. Vermutlich weil er dort alles vorfindet, was es zum Leben braucht, hier oder anderswo, sogar die Familie ist um ihn herum - ein postmodernes Schneckenhaus mit integriertem Bauchladen sozusagen. Also, wenn das kein Lied verdient!
(Äh, kleiner Wermutstropfen: Dosenöffner hat er nicht, fällt mir jetzt gerade ein. *aautsch!*)
2007-09-20
blocus scriptus moderatus
Soo, meine lieben Sportsfreunde und Hausgeister
Da bin ich wieder! Aber nur vorübergehend, denn ich leide unter einer Schreiberlingskrankheit, der sogenannten "akuten Schreibblockade" (lat. 'blocus scriptum agravatus' - wir haben auch Ärzte unter unseren Lesern, und zwar solche, die das Latein noch machen mussten, also aufgepasst!).
Meiner literarischen Ideen sind zwar viele (und geniale!), doch jedes Mal, wenn ich mich voll Begeisterung auf die Tasten stürze, sind sie weg. Einfach *puff* verschwunden, aufgelöst in Schall und Rauch, wie der wunderbare Traum zehn Sekunden nach dem Aufwachen. Verschwinden meine Ideen in die Tasten, verkriechen sich im Gedärm meines Computers und wollen nicht wieder heraus. Knurren bösartig, wenn ich sie zu locken versuche. Ja, ich glaube, ein Gedankenstrang biss mich gar in den kleinen Finger, gestern, als ich die Taste "ö" berührte, verspürte ich nämlich ein brennendes Zucken. Ich war gerade dabei, meine unnachahmlich träfen Überlegungen zum 'ölfalktörischen Bösörök' (einem ungarischen Ungeheuer, das hier ganz in der Nähe wohnen soll) niederzuschreiben, als *zack* und *aua!* und ein Arzt war auch nicht da. So wird's halt nix mit dem Bösörök.
Und zur Schweiz fällt mir nichts ein, beim besten Willen, da kann ich meinen Compi kopfüber schütteln, dass die Typen nur so klappern, ich hab nämlich keine Ahnung, was bei euch Mädels und Jungs drüben im Schurkenstaat so läuft. Keine Tageszeitung aus der mich die neuesten News anspringen, keine Bekannten, die mich in politologistische Gassengespräche verwickeln wollen, weil sie wissen, das ich in meinem früheren Leben einmal… nicht einmal die Katze. Schnurrt um meine Beine herum und tut schmeichlerisch (dabei will sie nur ihre lästigen weissen Haare an meiner Jeans abstreifen, aber ich hab sie durchschaut, das Biest).
Jetzt bin ich also hier, wo mir einst das unzüchtige Taubengegurr Schamesröte auf meine unschuldig-jugendlichen Wangen trieb. Doch heutzutage muss man TV-Privatsender einschalten, um Gestöhne zu hören, denn draussen lauert der Stadtfalke, und unter den Ziegeln befinden sich nicht mehr staubige Böden sondern luftige Lofts - mit Mietzinsen in Schweinereienhöhe. Aber das ist der freie Markt. Und Tauben haben darin keinen Zutritt. Und ich keinen Fernseher.
Also, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe (nämlich das SERICEHBN wieder zu erlernen), melde ich mich. Bis dann: Seavas.
2007-09-17
Erlauchte Raffinesse
Wieso sind Raffinerien nachts immer taghell beleuchtet?
Etwa ein Versuch, die Industrie zu erleuchten?
Und wieso erklingen in meinen Ohren stets Opern-Arien, wenn ich an ihnen vorüberfahre, nächtens, unbe/erleuchtet?
(M)Ein Bestreben, das grundsätzlich Gegensätzliche zu verschweissen?

Quelle: www.pixelquelle.de
2007-09-16
Offener Blog an die Weltwoche
Liebe Weltwoche
Ich will dich nicht in meinem Briefkasten. Nicht einmal probehalber. Das habe ich dir geschrieben, aber offensichtlich reicht dein elektronisches Gedächtnis nicht hinter den jüngsten Release deines CMS zurück.
Ich will dich nicht, denn ich hatte dich. Geliebt, wegen deiner eigenwilligen Artikel. Schräg und bockig, schmerzhaft wahr, oft orthogonal zur gängigen Weltanschauung - "rechtwinklig" zur Rechts-links-Geraden, senkrecht somit. Von oben herab blickend, ohne jegliche Überheblichkeit, aus der Vogelperspektive auf das, was "man" sich zu wissen, zu verstehen, zu kennen einzubilden glaubte.
Damals hattest du ein anderes Format, warst eine Zeitung, unhandlich, voll schmierigem Blei, das meine Finger druckerschwarz färbte, als ich - ungläubig und wiederholt - den Artikel las, der mich an dich fesselte, jener Artikel von Yvonne Denise Köchli (so glaube ich zumindest) über die Gräueltaten im Jugoslawien-Krieg. Mein Anfixer sozusagen. Ich abonnierte dich. Obwohl mir die CHF 180 Abogebühr bei meinen monatlichen Einkünften von CHF 1'500, von denen ich mitsamt Kleinkind ohne Sozialhilfe leben musste, horrend erschienen. Du warst es mir wert.
Die Zeiten änderten sich. Ich schloss meine Ausbildung ab und verdiente mehr. Du wechseltest das Redaktorenteam und die Perspektive. Bist suzkessive von der Vogel- in die Froschperspektive abgesunken, hast nicht mehr kritisch hinterfragt, sondern kritisiert, was nicht "deiner" Anschauung entsprach. Welche eine ziemlich simple wurde.
Als du schliesslich die Froschperspektive verliesst, um, in vollster Überheblichkeit, einen Röhrenblick einzunehmen, verliess ich dich. Nicht ohne dir meine Enttäuschung kund zu tun. Es gereichte dir gerade zu einem kühlen Dreizeiler: Schade - selber schuld - mfG.
Dasselbe antworte ich dir nun, wenn du dich - im hippen Heftliformat, poppig bunt und eingeschweisst - in meinen Briefkasten legst, um dich mir zur Lektüre feilzuhalten. Und füge hinzu: Ich will dich nicht. Denn ich hatte dich. Aber da hattest du noch ein anderes Format.
2007-09-14
Freiheiten und sowas
Allzu leicht nur, allzu leicht. Fährt es sich in Schienen. In vorgegebenen Bahnen, eingekerbt durch vielfache Wiederholung. Graben sich Gewohnheiten in unseren Lebensalltag ein, strukturieren ihn, machen ihn befahrbar, urbar für die tägliche Flut an Aufgaben-Kompetenzen-Verantwortlichkeiten, in die wir uns hineindeklarieren.
Wieviel schwieriger ist es, ihnen zu widerstehen! Den Fuss herauszunehmen, aus dem Geleise, ihn daneben zu stellen und den anderen auch. Und dann? Haben wir vergessen? Zu Gehen? Vergessen, wie 'es geht', wenn man einen Fuss vor den anderen setzt? Das Gewicht verlagert und für einen Moment die Stabilität preisgibt, die Balance aufs Spiel setzt, um vorwärts zu gelangen. Auch wenn man rückwärts schreitet, bewegt man sich vorwärts, in eigenen, willkürlichen Pfaden, unbekannt, erratisch, und immer wieder. Neu.
Gehen wir, dann wissen wir nichts. Dann führt jeder Schritt potenziell ins Überallhin. Stehen uns alle Möglichkeiten offen, grundsätzlich, einzig und allein determiniert durch den vorangehenden Punkt. Besteht unser Horizont aus dem, was unsere Schritte in Länge, Richtung und Geschwindigkeit zu durchmessen in der Lage sind.
Paralysiert blieb ich liegen. Im Bett, das jahrelang Ausgangspunkt allmorgendlicher Tramfahrten war, beginnend mit Aufstehen-morgenturnen, hin zu Duschen-ankleiden-zurarbeitfahren, an Insitzungenrumhängen-essen-zeugerledigen vorbei nach Instrainingfahren, um anschliessend über Einkaufen-heim-hobbyfamilienzeug bei Zähneputzen-schlafengehen wieder in die Remise zurück zu kehren.
Paralysiert verharre ich in ihr, der Remise, mir bewusst werdend, nichts anderes getan zu haben, als diese ausgeleierte Strecke durch eine andere zu ersetzen. Andere Geleise zu benutzen, eine andere Linie. Deren erste Haltestelle Turnen-Duschen ist. Und deren zweite Blogschreiben. Fahre ich auf Schienen, die mich durch meinen Timeouterinnen-Alltag kurven lassen, wie eine Eiskunstläuferin in ihrer Pflichtspur. Sogar das einstmals beglückende "eigentlich kann ich im Bett bleiben, denn ich hab ja nichts zu tun" ist zur Farce geworden, zur vorgelagerten Haltestelle. Denn natürlich stehe ich auf. Immer.
Auch in der absoluten Freiwilligkeit sind wir nicht davor gefeit, die Freiheit in Bahnen zu lenken. Um sie zu kontrollieren und uns nicht zu verlieren. Im Überall. Im N/Irgendwo.
Und so bin ich auch heute aufgestanden und bis zur zweiten Haltestelle gefahren. Die erste habe ich ausgelassen - soviel zu meiner Freiheit.
2007-09-12
Einstürzende Himmel
Kann einem unter freiem Himmel die Decke auf den Kopf fallen?
Ja. Die innere Decke.
2007-09-11
Geheimcode
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Weisheiten, Wahrheiten. Erklärungen. Eine Gebrauchsanweisung für's Leben, in kryptischen Zeichen.
Ein Geheimcode, der Schlüssel zur Lösung aller Probleme. Der Fehldruck meines Computers. Eine Problemstellung mit integrierter Lösung, die nur darauf wartet, dechiffriert zu werden. Als handle es sich um eine verborgene Weisheit, einen allmächtigen Zauberspruch, ein Gebet in einer fremden Sprache, Om mani padme hum.
Und immer noch will es Morgen werden.
2007-09-10
Der Buchstabe F
Gestern Abend, nach der erfolgreichen Besteigung eines hier nicht näher genannt sein wollenden Horns (nein, liebe Schmutzfinken im Geiste, nicht DIESES!), frequentierte ich meinen Bloggerator zu aus- bzw. anstehenden Themen. Wie Sie wissen, schleppe ich ja den missionarischen Auftrag mit mir herum, Sie (Finken oder nicht) über die www's des Lebens (das wirklich wahrhaft Wesentliche und nicht die windigen Windelwehchen) aufzuklären.
Jene wiederum reichen von aaa (wie ausserirdische Anarcho-Analphabeten) über üüü (wie überirdisch üngebaute Ürdbeeren) bis Z (zahnseidene Zafira-Zuchtorchideen).
Nun, mein www (wirrtuelles Wonderwheel) blieb beim Buchstaben F stehen.
F - wie...
Fischzucht. Da haben wir den Salat! Was soll ich Ihnen denn über Fischzucht erzählen? *grübel, hirn*
Ich hab's: *klingeling!*
Nichts!
Und das gleich zweimal, einmal von links und einmal von rechts.
Schliesslich ist ja www (wahnsinnig wichtiger Wahlkampf).
PS: das Horn fängt mit A an und liegt im Berner Oberland.
2007-09-08
Roschachtest
Lust auf einen kleinen Psychotest?
Was sehen Sie auf diesem Bild?
a) Protagonisten eines Komplotts
b) Helden/Bösewichte eines Wahlkampfs
c) zwei sture Grinde, einer nach links und einer nach rechts
d) Medienfutter
e) Nichts
f) Eh, wie lautete die Frage doch gleich?