2007-10-20
Alles FlüMi oder was
"Freiheit kann man nicht kaufen" steht dieser Tage auf einem Plakat, von dem herab uns ein Gesicht wohlfeil anlächelt.
Blödsinn.
Natürlich kann man Freiheit kaufen. Man kann Kaution bezahlen um auf freien Fuss zu kommen, oder die Exekutivkräfte mit finanziellen Zuwendungen günstig stimmen, von den Legislativen ganz zu schweigen. Auch die Judikative ist nicht davor gefeit - selbst in unserem Land nicht, alles andere ist touristenfängerische Schönfärberei.
Man kann Freiheit kaufen, wie man Freunde, Liebe, Schönheit, Wählerstimmen, Erfolg und Glück kaufen kann. Alles statistisch nachgewiesen: Reiche sind schöner, erfolgreicher, haben es leichter in der Partnerwahl und viele, viele Freunde (Hand auf's Herz: sind UNSERE Freunde denn auch immer so selbstlos und aufrichtig an uns interessiert, wie wir immer behaupten, wenn wir mit schnödem Finger auf die Groupies der Reichen zeigen? Paris Hilton hat sicher mehr Freunde als ich, und sie sind deshalb nicht weniger "wahr").
Ja, auch das Glück kann man kaufen. In Form von Ferienreisen, Konsumgütern, allerlei Therapien und kleinen Pillen. Echt wahr! Die Zeitungen sind voll davon. Wer's Gegenteil behauptet, lügt.
Und bald einmal wird man das ewige Leben kaufen können (den Platz im Himmelreich gibt's ja schon lang, wenn man dafür bezahlt, auch für Lutheraner), werden Nanobots unsere alternden Zellen wieder auf Vordermann bringen und bionische Ersatzteile Kaputtgegangenes wettmachen. Viel besser als das Original, echt!
Man kann sich alles kaufen. Man muss nur über ausreichend FlüMi verfügen.
2007-10-16
Schuhe. Natürlich.
Ich habe eine Nichte (genau genommen habe ich zwei) und ihr Name ist, sagen wir einmal, Marie. Marie ist fünf ("fünfeinhalb" würde sie präzisierend einwenden) und sie weiss immer alles ein bisschen besser und ein bisschen genauer als alle anderen.
Marie sinniert. Sie sagt, und ihr Gesicht, das im Entfernten an das einer sehr hellblonden, sehr blassblauäugigen Chinesin erinnert, ist Ernst vor kontemplativer Grübelei, "Wenn ich morgen aufwache und in den Kindergarten will, und auf einmal bin ich ganz fürchterlich gewachsen, in der Nacht... Was ziehe ich dann an?" Nun, will ich antworten, wenn es ein wirklich schlimmer Wachstumsschub war, könntest du ja die Kleider deiner Mutter... "Aber was ist," denkt sie voraus "wenn mich die anderen Kinder dann nicht mehr erkennen?" Da hat sie einen Punkt. Ich sage, leichthin "Och, das ist nicht so schlimm, vielleicht sind sie ja auch alle über Nacht gewachsen, und ihr trefft euch als Selbsthilfegruppe, zum Beispiel als 'Anonyme Wachstumsschübler' oder so." Ich finde meine Idee genial. Doch Marie hat schon weitergedacht "Wenn aber einer in der Nacht wächst und der andere in der Nacht schrumpft, dann geht das nicht." Stimmt. Greise, Säuglinge, Wanderpanther und Quengelkinder, Careerwomen und Chaosteens - das passt nicht zusammen. Nicht einmal in eine Selbsthilfegruppe. Vielleicht noch eben ins Tram. Für drei Stationen.
Ich bin derart in Betrachtung versunken, dass ich Marie's neuesten Gedankensprung zunächst gar nicht wahrnehme. Erst als sie ihn auf mein Nachfragen hin wiederholt "Wenn jeder jede Nacht schrumpft oder wächst und jeden Morgen ganz anders aufwacht als er eingeschlafen ist..." Ha! Ich rieche den Braten: "Und nicht einmal im gleichen Körper," fantasiere ich mit "sondern in einem ganz anderen...", "...in dem eines Buben oder eines Mädchen...","...mit heller Haut oder mit dunkler...", "...mit schiefen oder geraden Zähnen...", und so weiter und so fort.
Was gäbe das für eine herrliche Welt!
Nichts zu horten, nichts zu ergattern, da ohnehin jeden Abend wieder zerronnen. Keine Pläne und fixen Ideen, da vergebens für den morgigen Tag. Kein Argwohn auf das Andersgeartete, da am kommenden Tag eventuell gerade jenes. Ich schwelge.
Marie holt mich rüde von Wolke Nummer sieben: "Wir müssten den Keller ausräumen" sagt sie nüchtern. "Wie bitte? Weshalb?" "Na, stell dir mal vor: Wieviel Schuhe wir dann bräuchten! Für jeden Tag andere!"
Schuhe. Natürlich. Ach, ich liebe die jungen Frauen von heute mit ihrem untrüglichen Sinn für's Praktische...

2007-10-14
Erkenntnisse auf dem Nussgipfel
Weithin gilt es als erstrebenswert, beharrlich zu sein. Von klein an wird uns eingebläut, dass man, will man etwas erreichen, im Leben oder auch sonstwo, "dranbleiben" muss. Was immer es ist, drangeblieben wird gemusst, wie Zecke auf Pobacke. Auch wenn's schwierig ist, das Ziel sich in einem unsichtbaren Labyrinth zu verbergen scheint, an dessen Wänden man sich Sturmbeulen holt. Das dumme an unsichtbaren Labyrinthen ist nämlich, dass sowohl Vorwärtskommen wie Scheitern unvorhersehbar sind, und sich hinter scheinbarem Jubel bittere Enttäuschungen verbergen können. Zwei Zentimeter können dich vom Ziel trennen; wenn's ne Wand aus Panzerglas ist und du - nachdem man dir am Flughafen Nagelfeile und Taschenmesserchen abgenommen hat - abgesehen von den Fäusten ohne jegliche Instrumente da stehst, nur noch letztere schütteln kannst, dann könnten dich auch Welten vom Ziel trennen. Ja, s'wär sogar leichter, wären es Welten. Denn kurz vorm Ziel ist die Niederlage erbarmungslos bitter. Umgekehrt ist der Erfolg ein umso seligerer Segen, wenn man bitter darum gekämpft hat. Nicht locker gelassen hat, nicht aufgegeben, allen Seitenhieben, Frontalkollisionen und Wegblockaden zum Trotz. Falsch gedacht. Denn häufig ist das Ziel nichts anderes als ein vertrockneter Nussgipfel.
Dieser Erfahrung durfte sich sowas kürzlich unterziehen, nachdem sich die fixe Idee, UNBEDINGT einen Nussgipfel zu organisieren, in ihrer Pobacke festgekrallt hatte. Es war späterer Nachmittag und anscheinend nationaler Nussgipfel-ess-Tag, was sowas, die Bekanntgaben meidet, wie Nosferatu den Knoblauch, und sich Zeitungen immer erst dann zu Gemüte führt, wenn sie gut abgehangen sind - denn nur das, was auch nach einigen Tagen noch aktuell ist, verdient, überhaupt vermerkt zu werden - wieder einmal in heiliger Ignoranz verpennt hat. Nun ja, kein einziger Laden führte das gewünschte Gebäck im Sortiment. Auf leeren Regalen duckten sich grobe Brote und bleiche Brötchen, in den freigeräumten Auslagen dümpelten verschupfte Stückli und angetrocknete Patisserie. Ein Anblick zum *hrghürg*. Doch sowas blieb dran! Denn eins kennt sowas nicht: Aufgeben. Einfach nicht, niemals nie. Wie der gute alte Winston. Im dreiundzwanzigsten Laden, durch dessen bimmelnd sich schliessendem Ladentürspalt sowas gerade noch hindurchschlüpfen konnte... TA-TAAA! Das objet du désir! Allerdings in wenig anmächeliger Verfassung. Bei klarem Verstand hätte sowas die bimmelnde Türe gar nicht erst aus den Händen gelassen, sondern kehrtum gemacht und Fersengeld gegeben. Weil aber der Nussgipfel aufgrund des Nicht-Aufgebenkönnens mittlerweile zum Mussgipfel geworden war, gab's stattdessen bare Münze für ein verbröseltes Ding.
Ich würgte es herunter und verfluchte die vielgelobte Eigenschaft, nicht aufgeben zu können.

Quelle: Hiestand (rein illustrativ!)
2007-10-11
Herbstmenü
... Steingemetzeltes an Baumnudeln mit Laubsalat und Stiegenpilz ...
Oder: es ist schon erstaunlich, was ein knipsendes Telefon so alles zustande bringt. Ich nehme meine Häme und dummen Sprüche (sowas zum Fotografen: "Kann man mit dem Ding auch telefonieren"?) zurück. Wer weiss, vielleicht kann's ja auch mal kochen...
2007-10-08
Jahrlaub
Morgen werd ich zweiundvierzig. Ich kann nicht sagen, dass ich mich wie vierundzwanzig fühle. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich mich wie fast doppelt so alt fühle. Ich fühle mich einfach wie ich.
Gewisse Dinge haben sich geändert, andere sind gleich geblieben. Und die werden sich auch nicht ändern, wenn ich sechsundsechzig bin. Ich habe immer noch diese Basishast in mir, und ohne sie bin ich schlapp und unproduktiv. Das In-mir-ruhen ist wohl ein für mich unerreichbarer Zustand. Ich fress immer noch kompulsiv zu viel, zerbrech mir einfach weniger den Kopf darüber. Sport treibe ich auch immer noch im Handorgelrhythmus - mal gepresst, mal in die Länge gezogen.
Viele Dinge, über die ich mich als junger Mensch fürchterlich aufgeregt habe, habe ich, als ich dann "richtig" erwachsen wurde, also so mit sechsundzwanzig, als grundsätzlich an mir liegend erkannt. Als MEIN Problem, das ich zu lösen hatte. Geht ja. Muss nur.
Mit Mitte Dreissig habe ich dann gemerkt, dass das so einfach eben nicht geht, ja, dass es eigentlich überhaupt nicht geht. Also beschloss ich, die Dinge, die mich an mir stören, die sich aber nicht ändern lassen, einfach hinzunehmen.
Mit Vierzig habe ich gemerkt, dass ich auch das nicht kann. Was mich an mir stört, STÖRT mich einfach (sonst stört es ja nicht). Wenn ich's hinnehmen könnte, würd's mich nicht mehr stören (bzw. was ich hinnehmen konnte, stört ja jetzt auch nicht mehr - z.B. dass ich nicht mehr in Kleidergrösse x hineinpasse).
Also: Es gibt Dinge, die mich stören; die ich nicht wegbekomme und mit denen ich mich auch nicht abfinden kann. So ist das eben, e basta. Und das habe ich jetzt, mit einundvierzigkommaneunneunneun erkannt. Was stört, bleibt störend, und Neues dazulernen kann man nur in alten Bahnen.
Wir erfinden uns nicht mehr neu, mit über Vierzig und was wir finden, überrascht uns nicht mehr. Und trotzdem ist es wichtig, immer wieder offen ins Leben hineinzumarschieren und zu schauen, was da kommt. Auch wenn immer nur/wieder das Gleiche (heraus)kommt.
Oder, wie eine leidenschaftliche Broccantista einmal sagte "Am Ende sammelt man stets sich selbst".
2007-10-07
Demokratainment
Der Briefkasten erinnerte entfernt an eine Stopfgans. Grau quoll es aus seinem Maul, breit und sonst nicht zimperlich, wenn's ums Schlucken geht. Für gewöhnlich. Doch diesmal war es auch ihm zu viel. Fünf C5-Umschläge, prall gefüllt. Plus noch den ganzen Rest, den einen das Gewerbe trotz Stoppkleber in den Kasten spült. Verdrossen zupfte ich das Zellulosegewirr aus dem Zustellschlund: Rechnungen, Werbung, Stimmaterial. Lang vorbei die Zeiten, in denen sich ein handbemaltes Brieflein darin verbarg, Zeilen einer fernen Brieffreundschaft oder eines Liebsten. Jetzt haben wir Mail und Spam, der Liebste ist Gatte und die Freundschaft Geschichte. Aber Abstimmen tun wir immer noch. Fünf Couverts, will heissen, fünf wahl- und stimmberechtigte Erwachsene, deren Bestellblöcke für's Politmenu unser Briefkasten mittlerweile aufnehmen muss. Fünf Personen, von denen eine einzige stimmt und wählt - nämlich ich. Allen anderen ist - wie allen anderen auch - die Politik am Arsch vorbei, weil, die da oben tun sowieso was sie wollen, Scheissbaun, langweiligen Mist diskutieren und auf meine Stimme kommt's ohnehin nicht an. Ich vermute dahinter eine verkappte Frust-Intoleranz, denn Abstinenz macht Niederlagen in der Demokratie erträglicher ("Ich war ja eh nicht stimmen"). Seit Jahr und Tag fluchen Gatte und Nachkommenschaft über "die im Bundeshaus" aber zum selber Mitmachen ist man zu faul - oder eben, will sich die Enttäuschung ersparen, zu denen gezählt zu haben, die unterzählig waren, in der Minderheit - zu den Verlierern halt. Und je mehr Möglichkeiten für's Kreuzleinmachen oder Namenhinschreiben es gibt, umso grösser die Gefahr des Danebenliegens, ein Politiklotto sozusagen, ein Nationalratsbingo, ein Ständerats-Topfschlagen. Kalt - warm - links - rechts - daneben. Und selbst wenn man den Sechser zog *Gartong-im-Sääli* kann er sich als Niete herausstellen. Das frustriert. Das schreckt ab. Deshalb bin ich auch strikt gegen eine Senkung des Stimmalters. Denn dann haben wir noch mehr Nichtwähler und die Zahl jener, die etwas bewegen, nimmt prozentual weiter ab (wobei ich, die ja eigentlich vehement für eine WahlPFLICHT mit Geldbusse im Unterlassungsfall bin, fieserweise allen anraten könnte, NICHT stimmen zu gehen. Dann bin ich nämlich die Einzige und regiere - ganz demokratisch - das Land allein. Meine heimliche Allmachtsphantasie in Reinform *huhu, händereib*).
Nun also, fünf Couverts. Ich mache meins brav auf, verstreu die Propaganda auf dem Küchentisch und beginne, Bigeli zu machen: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Altpapier, die Weissnichtsorecht und Sindauchnochlustig in die Mitte. Meine Familie grinst milde: Muttern ist eben eine Zugereiste, eine, die das Wahlrecht nicht automatisch bei Volljährigkeit nachgeworfen bekam, sondern es eigenhändig erwerben musste - mit Geld natürlich, was sonst. Mein Augenklimpern war's nicht, das die städtische Einbürgerungskommission davon überzeugte, mir, der dubiosen Para-Balkanesin, die rote Karte, äh den roten Pass zuzubilligen. Ich stimme also. Man belächelt mich. Man geht essen, ich auch, feiert, ich auch, trinkt etwas, ich auch, kehrt gemeinsam nach Hause und unterwegs schwafelt einer in der ausgelassenen Runde etwas von MyVote, und dass man sich die Kandidaten per Internet mundgerecht ins Haus liefern lassen kann, wie russische Katalogmädchen. *Uhueremega!* Zuhause werden Computer angeworfen und dann wird fieberhaft gegamed: Zeugs anklicken, Fragen beantworten, Resultate austauschen, Namen und Nümmerli kritzeln, schwitzen, stöhnen, Buh- und Aaah-Rufe. "Waas? Du hast ja lauter JCVP-Leute auf deiner Liste, voll krass, igitt! Schäm'dich!" "Kuck mal, mein Spider sieht genauso aus wie der von dem da!" "Dem Fascho?" "Das ist kein Fascho, der ist echt cool, Mann, sieh doch." "Sieht aber bescheuert aus. Ich nehm lieber die Blonde da." "Fascho!" Das Wahlspektakel geht bis nach Mitternacht. Dann sind fünf Mägen, Birnen, Listen voll. Das nenn ich Brot und Spiele - oder Demokratainment.
2007-09-27
Barbie's Frust
Demetria Guynes aka Demi Moore soll sich kürzlich darüber aufgeregt haben, trotz ihrer horrenden und zweifellos gelungenen Investitionen in ihr äusseres Erscheinungsbild, hollywoodseitig keine attraktiven Rollen mehr angeboten zu bekommen. Frustimquadrat, was läuft hier falsch?
Nun, jeder weiss, wie alt Frau Moore ist, Internet sei Dank. Das Alter verschleiern wie weiland die (Stumm-)Filmdiven, geht nicht mehr. Bei Popstars mögen Anti-Ageing-Bemühungen durchgehen, weil die Verkaufszahlen über die Akustik geregelt werden, doch bei Akteuren und Aktrizen ist halt die Optik entscheidend. Fragt sich nur, wie.
Wer eine Rolle für eine 45-jährige schreibt, will auf der Leinwand eine 45-jährige sehen und nicht eine, die aussieht wie die Tochter. Wer umgekehrt eine 25-jährige im Skript hat, nimmt die Tochter und nicht die Mutter. Demi Moore's Investitionen haben eine Chimäre hervorgebracht. Und für diese gibt’s halt wenig Rollen und wenn, dann grottenschlechte (erinnern wir uns *brrr* an Sharon Stone's peinlichen Sequel Basic Instinct 2, der den Oskar für den besten Schönheitschirurgen, die beste Maske und die beste digitale Nachbearbeitung hätte erhalten müssen).
Zugegeben, das Rollenangebot für "reifere Damen" ist nicht grad berauschend. Ein paarmal die Mutti hier, ein paarmal die Chefin dort, einige Hausfrauenrollen und Wechseljahrwitzfiguren. Doch auch das andere Geschlecht hat es nicht leicht. Hollywood wird regiert von überfälligen Herren, die ihre Alter-Egos in Actionfilme packen, wo sie den Held markieren dürfen, und auf Blondinen im Tochteralter den Hengst. Das ist deren Art von Anti-Ageing und genauso lächerlich und würdelos wie das Faltenzurechtzurren und Nacktherumspazieren ihrer Ex-Gattinnen. Der einzige Unterschied ist, dass man mit alten Männern, die den kernigen Macker geben, Kasse machen kann, und mit reifen Frauen, die einen auf Barbie-Girlie machen, nicht. Ultrafeministinnen mögen das als ungerecht erachten. Frau Moore ist aber keine Ultrafeministin, und jeder, der ins Kino geht, Herr seiner eigenen Blödheit.
Und es GIBT gute Rollen für Frauen jenseits der 40! Susan Sarandon bekommt sie. Hellen Mirren, Meryl Streep und Judy Dench auch. Glen Close bekam sie, bevor sie anfing, sich schönheitsoperieren zu lassen, Jodie Foster wird sie bekommen, wenn sie aufhört, den kernigen Macker zu mimen. Cate Blanchett wird sie bekommen. Eva Longoria nicht. Nicole Kidman vermutlich auch nicht. Und Demi More ganz bestimmt nicht, den ihr kauft man sie schlicht nicht mehr ab. Too much Barbie, Girlie. Sorry.
2007-09-23
Mein Türke
Kurz unterbreche ich mein selbstauferlegtes "Schreige (=Schreibe+Schweige)"-Gelübte, um ein Lied anzustimmen (keine Angst, ich singe schlecht und somit nicht, lassen Sie den Lautsprecher also ruhig an): Ein Hohelied auf meinen Türken.
Mein Türke steht gestern mitten in seinem Laden - es ist halb Zehn, präziser: Einundzwanziguhrdreissig - macht ein unglückliches Gesicht und fragt seinen Bruder/Vetter/Neffen/Schwippschwager, der irgendwas herumkramt "Sag, gibt es Auto, wo fahrt ohne Benzin?" Der Angesprochene brummt etwas. Mein Türke wiederholt "Gibt es Auto, wo fahrt ohne Benzin?" Die Frau/Nichte/Tochter/Cousine/ Schwägerin des Türken stellt den Wischbesen, mit dem sie durch den verwinkelten Laden, der zugleich Trafik (so etwas wie unser Kiosk), Schnellimbiss, Ticketbude, Kaffeehaus und Orientdeli ist, gekurvt ist, ab. Stützt sich darauf und sagt "Hast du Hunger. Soll ich dir was zu essen machen." Feststellungen, keine Fragen. Mein Türke strahlt erleichtert.
Mein Türke ist mein Rettungsanker. Wenn ich irgendwann irgendetwas brauche (und das ist recht häufig der Fall) - mein Türke hat es. Milch, Kaffee, Haarshampoo, Kerzen, Knabbereien, Schnürsenkel, Eier, Brot und Extrawurstsemmeln, Damenbinden, Fahrkarten, Parkscheine, Zeitungen, Rauchwaren aller Art (die ich nicht mehr brauche, da seit 7 Jahren clean), Wasser, Limo, Bier-Wein-Schnapps, Dosenprosecco gar, den ich mir gestern denn auch gönnte, in stillem Glück über meinen Türken, dessen winziges Verkaufsuniversum nur ein kurzes Stück die Strasse hoch gelegen ist, und alles beherbergt, was ich mir des Tags oder des Nachts zu brauchen jemals einfallen lassen könnte. Mein Türke veräussert es mit stoischer Mine und professioneller Wortkargheit, die man ihm schwerlich als Unfreundlichkeit auslegen kann, brummt irgendwelche Anweisungen nach hinten zu seiner zumeist unsichtbaren Sippschaft und zu mir "Dreieurofünfzigbitte."
Mein Türke hat alles. Vor allem hat er eins: immer offen. Wenn die hiesigen Gewerbler um Fünf ihre Buden schliessen, die sie erst um Neun aufgemacht haben (unter Einschluss einer zweistündigen Mittagspause) und an Sonn- und Feiertagen gar nicht erst dran denken, einen Fuss in ihren Laden zu setzen - mein Türke steht drin. Vermutlich weil er dort alles vorfindet, was es zum Leben braucht, hier oder anderswo, sogar die Familie ist um ihn herum - ein postmodernes Schneckenhaus mit integriertem Bauchladen sozusagen. Also, wenn das kein Lied verdient!
(Äh, kleiner Wermutstropfen: Dosenöffner hat er nicht, fällt mir jetzt gerade ein. *aautsch!*)
2007-09-20
blocus scriptus moderatus
Soo, meine lieben Sportsfreunde und Hausgeister
Da bin ich wieder! Aber nur vorübergehend, denn ich leide unter einer Schreiberlingskrankheit, der sogenannten "akuten Schreibblockade" (lat. 'blocus scriptum agravatus' - wir haben auch Ärzte unter unseren Lesern, und zwar solche, die das Latein noch machen mussten, also aufgepasst!).
Meiner literarischen Ideen sind zwar viele (und geniale!), doch jedes Mal, wenn ich mich voll Begeisterung auf die Tasten stürze, sind sie weg. Einfach *puff* verschwunden, aufgelöst in Schall und Rauch, wie der wunderbare Traum zehn Sekunden nach dem Aufwachen. Verschwinden meine Ideen in die Tasten, verkriechen sich im Gedärm meines Computers und wollen nicht wieder heraus. Knurren bösartig, wenn ich sie zu locken versuche. Ja, ich glaube, ein Gedankenstrang biss mich gar in den kleinen Finger, gestern, als ich die Taste "ö" berührte, verspürte ich nämlich ein brennendes Zucken. Ich war gerade dabei, meine unnachahmlich träfen Überlegungen zum 'ölfalktörischen Bösörök' (einem ungarischen Ungeheuer, das hier ganz in der Nähe wohnen soll) niederzuschreiben, als *zack* und *aua!* und ein Arzt war auch nicht da. So wird's halt nix mit dem Bösörök.
Und zur Schweiz fällt mir nichts ein, beim besten Willen, da kann ich meinen Compi kopfüber schütteln, dass die Typen nur so klappern, ich hab nämlich keine Ahnung, was bei euch Mädels und Jungs drüben im Schurkenstaat so läuft. Keine Tageszeitung aus der mich die neuesten News anspringen, keine Bekannten, die mich in politologistische Gassengespräche verwickeln wollen, weil sie wissen, das ich in meinem früheren Leben einmal… nicht einmal die Katze. Schnurrt um meine Beine herum und tut schmeichlerisch (dabei will sie nur ihre lästigen weissen Haare an meiner Jeans abstreifen, aber ich hab sie durchschaut, das Biest).
Jetzt bin ich also hier, wo mir einst das unzüchtige Taubengegurr Schamesröte auf meine unschuldig-jugendlichen Wangen trieb. Doch heutzutage muss man TV-Privatsender einschalten, um Gestöhne zu hören, denn draussen lauert der Stadtfalke, und unter den Ziegeln befinden sich nicht mehr staubige Böden sondern luftige Lofts - mit Mietzinsen in Schweinereienhöhe. Aber das ist der freie Markt. Und Tauben haben darin keinen Zutritt. Und ich keinen Fernseher.
Also, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe (nämlich das SERICEHBN wieder zu erlernen), melde ich mich. Bis dann: Seavas.
2007-09-17
Erlauchte Raffinesse
Wieso sind Raffinerien nachts immer taghell beleuchtet?
Etwa ein Versuch, die Industrie zu erleuchten?
Und wieso erklingen in meinen Ohren stets Opern-Arien, wenn ich an ihnen vorüberfahre, nächtens, unbe/erleuchtet?
(M)Ein Bestreben, das grundsätzlich Gegensätzliche zu verschweissen?

Quelle: www.pixelquelle.de